Ausbildungsunterstützung der Bundeswehr in Form der Veranschaulichung
von Selbstverteidigungs- Festnahmetechniken durch die VFH in Wiesbaden
Am 23. Juni 2005 bittet der Oberstleutnant und Bataillonskommandeur DÜWEL den
Herrn Staatsminister Volker Bouffier um Ausbildungsunterstützung für die 3.
Kompanie des Panzerbataillons 183 durch die Polizeibeamten Erster
Polizeihauptkommissar (EPHK) Gerhard Wittig
und Polizeioberkommissar (POK) Gunnar Stiegler,
VFH Gießen
Bei der 3. Kompanie des Panzerbataillons 183 in Boostedt handelt es sich um eine Einheit, die sich
aus ca. 115 Soldaten, aus drei Zügen und einer Kompanieführungsgruppe zusammensetzt.
Schwerpunkt des Jahres 2005 für das Panzerbataillon und damit auch für die 3. Kompanie ist der
Auftrag, ein ORF-Bataillon (ORF= Operation Reserve Force) für das Kosovo aus verschiedenen
Kompanien der weiteren Bataillone der Panzerbrigade 18 HOLSTEIN bis Mitte Dezember 2005
aufzustellen und auszubilden.
Aufgrund ihres bevorstehenden Kosovoeinsatzes führt die Kompanie besondere Ausbildungsmodule
durch: Luftverladeübungen mit Hubschraubern, Teamausbildung für das Begehen von Gebäuden mit
Einsatztrainern der Polizei oder Nahkampfausbildung mit der Polizei. Diese Ausbildungsabschnitte
sind in dreierlei Hinsicht für die Soldaten der Kompanie wichtig: Erstens ergänzen sie die
Einsatzvorausbildung der Bundeswehr, zweitens stärken sie das subjektive Sicherheitsgefühl des
Soldaten und drittens erhöhen sie die Motivation in der fordernden und zeitintensiven
Einsatzvorausbildung.

Foto oben: Soldaten der 3. Kompanie des Panzerbataillons 183 während der
Ausbildung
Unser Auftrag war es die Soldaten des 3. Kompanie des Panzerbataillons 183 in
Boostedt für einen Auslandseinsatz im Rahmen von KFOR/EUFOR in der
Anwendung körperlichen Zwangs zur Bewältigung polizeilicher Aufgaben
auszubilden. Der dafür zur Verfügung gestellte Zeitrahmen betrug eine Woche. Eine
Herausforderung, die ein knallhartes Zeitmanagement und sehr viel Engagement
erforderte.
Uns war klar, dass wir in dieser kurzen Zeit nur zu einem zufrieden stellenden
Ergebnis kommen konnten, wenn es uns gelingen würde bei den Soldaten eine hohe
Motivationsbereitschaft zu erreichen.
Gleich zu Beginn der Ausbildung mussten die teilnehmenden Soldaten eine Lage
bewältigen, die durchaus einer möglichen auf die Soldaten zukommenden Situation
im Einsatzland Kosovo zukommen könnte. Die Teilnehmer waren von der
möglichen Brutalität des plötzlichen Angriffes überrascht und hatten in den meisten
Fällen kein Selbstverteidigungssystem entgegenzusetzen.
Ihnen wurde schnell deutlich, dass die kommende Woche einen erheblichen Beitrag
zu ihrer eigenen Sicherheit leisten kann – die Motivation war enorm hoch.
Ich würde mir wünschen, dass bei manchen Studierenden der VFH eine ähnlich hohe
Motivation herrschte und die Bedeutung des Faches Einsatztraining zum Schutz der
eigenen Person erkannt würde.
Herauszuarbeiten waren die Elemente Hände, Position, Distanz – Zeit. Durch die
Vermittlung von Distanztechniken aus der Selbstverteidigung sollten die Teilnehmer
ein Zeitbonus gewinnen, um dann eine Festnahme durchführen zu können.
Das Ergebnis war für alle verblüffend. Nach der Ausbildung hatten wir allen
teilnehmenden Soldaten ein Verteidigungssystem vermittelt, mit dem sie ein weiteres
Szenario spielend bewältigen konnten.
Foto rechts: Gunnar Stiegler bei der Demonstration von Festnahmetechniken
Besonders sei an dieser Stelle der höfliche und kameradschaftliche Umgang der
Soldaten untereinander und die Betreuung während dieser Woche hervorgehoben.
Am Ende der Woche und als Dankeschön für unser Engagement konnten wir die
Ausrüstung der Bundeswehr (Kampfpanzer „Leopard II und Fuchs“) bestaunen und
bedienen. Weiterhin bekamen wir Gelegenheit auch die U-Boot-Flotte der Marine zu
besichtigen.
 Foto links: Stiegler und Wittig bei der Ausfahrt mit einem “Leopard II”
Die Worte, die der Oberstleutnant Hüttel in seinem Dankesschreiben gewählt hat,
bestätigen und motivieren uns an der überaus wichtigen Bedeutung des
Studienfaches Einsatztraining festzuhalten. Diese Woche hat eigentlich deutlich
gemacht, dass eine Ausbildung zu polizeilichen Tätigkeiten niemals die praktische
Komponente auf ein Minimum zurückdrängen darf. Zumal die jüngsten
Vorkommnisse in unserem kultivierten Nachbarland Frankreich, aber auch sonstige
polizeiliche Lagen deutlich machen, dass man schnell von eskalierenden Situationen
eingeholt werden kann, in denen dann jeder einzelne Polizeibeamte über die
rechtliche Beurteilung hinaus in der Lage sein muss einsatzpraktische Fähigkeiten
auf hohem Niveau abrufen zu können.
(Fotos, Text: Wittig)
Auszug Dankesschreiben Oberstleutnant Hüttel:
……………… dafür möchte ich mich auch im Namen meiner Soldaten sehr herzlich
für die Ausbildungsunterstützung durch die Herren Wittig und Stiegler bedanken.
Beide Beamten haben sich durch eine sehr hohe Professionalität und durch eine
hervorragende Ausbildung ausgezeichnet. Sie haben dazu beigetragen, dass meine
Soldaten für den Auslangseinsatz mehr Handlungssicherheit zum Eigenschutz
gewonnen haben.
Beide haben uns wirklich sehr geholfen.
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