| Thema: | Biomechanische Rekonstruktionen von Tatabläufen |
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| Biomechanische Rekonstruktionen von Tatabläufen, zu diesem Thema wurde am 16. November 2004 an der VFH, Abteilung Gießen, eine Informations- und Fortbildungsveranstaltung durchgeführt. Der Einladung der Kriminalwissenschaften der Abteilung Gießen waren ca. 50 interessierte Polizeibeamte des Bundeskriminalamtes, des HLKA Wiesbaden, der PP Mittelhessen, Westhessen und der HPS gefolgt. | ||||
| Herr Prof. Dr. Jörg Subke, Leiter des Labors für Biomechanik im Fachbereich Krankenhaus- und Medizintechnik, Umwelt- und Biotechnologie an der Fachhochschule Gießen-Friedberg stellte ein von ihm im Bereich der Biomechanik am Institut für Rechtsmedizin der Universität Tübingen als Streifenlichttopometrie
(SLT) entwickeltes computergestütztes 3 D-Verfahren vor. Bei diesem Verfahren wird eine Serie von Streifenmuster auf das zu messende Objekt (z. B. Verletzungsbild einer Leiche) projektiert und mit einer Videokamera aufgenommen. Aus den Verkrümmungen der Streifen auf dem Objekt werden computergestützt die 3D Koordinaten der Oberfläche berechnet und die Farbinformationen hinzugefügt. Dass dieses Verfahren nicht nur für die Beurteilung von Verletzungsentstehungen und in der digitalen "Konservierung" der Leichenoberfläche, sondern auch in der polizeilichen Tatortarbeit eingesetzt werden kann, demonstrierte Herr Prof Dr. Subke, der von Hause aus Physiker ist, eindrucksvoll anhand eines Tötungsdelikts: Ein Täter gelangte unbemerkt in das Schlafzimmer eines Ehepaares und schoss achtmal auf das schlafende Ehepaar. Die Ehefrau erlag unmittelbar ihren Verletzungen. Der Ehemann wehrte sich und überlebte schwer verletzt die Tat. Zur Tatrekonstruktion, insbesondere zur Frage, wie wurden die Schüsse auf die Ehefrau abgegeben, wurde Herr Prof. Dr. Subke zur Erstellung eines Gutachten mittels Streifenlichttopometrie gebeten. Unter Einbeziehung der am Tatort erstellten Bilder, der Obduktionsbefunde und seines Messverfahrens war es ihm möglich, relativ genau die Schussabgaben und die Stellungen des Täters zu rekonstruieren. Auch durch weitere Beispiele (Verletzungen durch Schuhtritte, Bissspuren und die Verteilung von Blutspuren) wurde für die Veranstaltungsteilnehmer erkennbar, dass dieses submillimetergenaue (je Millimeter zwei bis drei Bildpunkte) Messverfahren in der polizeilichen Praxis sinnvoll eingesetzt werden kann. Das gilt nicht nur für die klassische Tatortarbeit der Kriminalpolizei, sondern auch für die Verkehrsunfallrekonstruktion. Durch dieses Verfahren lassen sich unfalldynamische Abläufe exakt unter Laborbedingungen an einem Computer nachvollziehen. Das Landeskriminalamt Stuttgart hat eine gleiche Anlage angeschafft und will zukünftig bei entsprechender Fallgestaltung und nach Ausbildung von Anwendern, dieses Verfahren für die Tatortarbeit einsetzen. Auch das Bundeskriminalamt hat auf der Basis der Streifenlichttopometrie von einem anderen Hersteller eine Anlage erworben und wird den Bundesländern im Rahmen der Tatortarbeit seine Unterstützung anbieten. Ansprechpartner für den Einsatz dieser Technik in Hessen ist das HLKA Wiesbaden, Abteilung 7, Fachgruppe 76, Herr Kunzendorf, Tel. 0611 83-8620. In der anschließenden Diskussion wurde insbesondere auf die Praxisrelevanz dieses Verfahrens und auf den Unterschied zur Fotogrammetrie und auf deren jeweilige Vor- und Nachteile eingegangen. Mit der Erkenntnis, dass die Streifenlichttopometrie für die Tatortarbeit und für die Tatrekonstruktion in Einzelfällen sinnvoll eingesetzt werden kann und dass dieses Verfahren im Gegensatz zur Fotogrammetrie genauer und weniger aufwendig ist, endete die Veranstaltung. |
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© E. Dersch, VFH Gießen